Aus bislang nicht öffentlich bekannten Dokumenten (verlinkt auf https://www.spiegel.de/ausland/china-und-russland-recherchen-zeigen-ausmass-der-militaerkooperation-a-46fa7894-0b2c-411b-ba21-cc7c6b053c3f) soll hervorgehen, dass Russland und China militärisch deutlich enger zusammenarbeiten als bisher bekannt. Darauf deuten Recherchen des „Spiegel“ und seiner Partner hin, die eine bislang unbekannte Tiefe und Qualität der militärischen Zusammenarbeit zwischen Russland und China belegen sollen. Die Enthüllungen entlarven demnach auch Chinas Behauptung, sich im Ukrainekrieg neutral zu verhalten. Stattdessen hätten beide Staaten im Geheimen eine gemeinsame „Entwicklung eines Luft- und Raketenabwehrsystems der nächsten Generation“ beschlossen. Das System soll manövrierfähige ballistische Raketen und sogar Hyperschallraketen bekämpfen können, wie aus den Recherchen mit dem russischen Investigativmedium „The Insider“ und der französischen Tageszeitung „Le Monde“ (verlinkt auf https://www.lemonde.fr/m-le-mag/article/2026/07/09/entre-pekin-et-moscou-de-tres-secrets-forums-de-cooperation-militaire_6722048_4500055.html) hervorgeht. Hochrangige Vertreter von staatlichen russischen und chinesischen Rüstungsunternehmen sowie der chinesischen Volksbefreiungsarmee vereinbarten die Kooperation demnach bei einem geheimen Treffen in Moskau von Ende Mai bis Anfang Juni 2023. Das Projekt wirke, „als wäre es durch den Wunsch motiviert, Waffen wie den neuen bodengestützten Hyperschallflugkörper der US-Streitkräfte frühzeitig abzufangen“, zitiert der „Spiegel“ Justin Bronk vom Royal United Services Institute in London. Ziel sei offenbar, sowohl China als auch Russland vor Präzisionsschlägen aus großer Distanz zu schützen. Das Projekt dürfte darauf ausgerichtet sein, um das Jahr 2030 Einsatzbereitschaft zu erreichen. Gemeinsam gebaut werden sollen laut den Dokumenten Führungs- und Kontrolleinrichtungen für bodengebundene Raketen sowie ein „hochmanövrierfähiger Lenkflugkörper für eine integrierte Luftverteidigung“. Das System soll Hyperschallgeschosse in der letzten Flugphase in einer Höhe von bis zu 40 Kilometern bekämpfen können und ballistische Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 4000 Kilometern. An solchen Waffen arbeiten vor allem die Vereinigten Staaten. Die Volksbefreiungsarmee bereitet sich seit Jahren gezielt auf eine militärische Auseinandersetzung mit den US-Amerikanern im Pazifik vor. Die Dimension der Zusammenarbeit zwischen Peking und Moskau überrascht selbst Experten. Kernfähigkeiten wie Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsysteme sowie Frühwarnradare behielt Russland bislang für sich. „Das ist das Allerheiligste – etwas, das weder Russland noch die Sowjetunion jemals teilen wollten“, sagt Pavel Luzin. Er dokumentiert den Handel von Dual-use-Gütern – also Produkten, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke eingesetzt werden können – zwischen den beiden Staaten seit Jahren. „Jetzt ist Russland dennoch dazu bereit.“ Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) zeigt sich besorgt über das bislang nicht öffentlich bekannte Ausmaß der militärischen Zusammenarbeit: „Die Erkenntnisse über den erheblichen Umfang chinesischer Unterstützung für das russische Militär sind äußerst besorgniserregend“, sagte Wadephul, nachdem er von den Grundzügen der Recherche erfahren hatte. „China muss wissen, dass das den absoluten Kernbereich europäischer Sicherheitsinteressen verletzt“, fügte Wadephul hinzu. Jede Unterstützung für Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine verlängere den Krieg und schaffe nur weiteres, unermessliches Leid. Vergangene Woche zitierte das Auswärtige Amt deshalb den chinesischen Botschafter in Berlin zu einem dringlichen Gespräch (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a480a3fad32e994f875a8cd/ausbildung-russischer-soldaten-chinas-botschafter-zu-einem-dringlichen-gespraech-ins-auswaertige-amt-gebeten.html) , nachdem zuvor schon Reuters über die Ausbildung berichtet hatte. Nach „Spiegel“-Informationen entsandte die Volksbefreiungsarmee zudem mehrere Offiziere als Militärbeobachter an die Front in der Ukraine.